Latte Macchiato, Milchkaffee, Cappuccino, Espresso – ob zum munter werden oder als puren Genuss, Kaffee wird von vielen konsumiert. Was aber passiert mit dem Kaffeesatz? Diese Frage stellte sich der Gründer von Kaffeeform, Julian Lechner, während seines Studiums des Produktdesigns in Italien. Das Land, das für uns die Kaffeekultur schlechthin verkörpert, regte ihn zum Experimentieren an. Die Idee entstand schon 2009, nach einer langen Entwicklungszeit war dann zum Jahreswechsel 2014/2015 der Entwurf fertig. Das erste Produkt waren dunkle Espressotassen mit Untertassen, welche durch ihre unebene marmorierte Struktur auffallen und dabei an dunkles Holz erinnern. Sie sich bruchsicher, leicht, biologisch abbaubar, spülmaschinenfest und verströmen einen dezenten Kaffeegeruch. Mittlerweile produziert Kaffeeform auch Cappuccinotassen.

Die fertige Materialmischung der Tassen besteht zur Hälfte aus Kaffeesatz und daneben aus einer Mischung von Holzspänen, Flachsfasern und Biopolymeren. Letztere sind bekannt aus dem Bereich der nachwachsenden Kunststoffe. Die Herstellung der Kaffeeform-Tassen dauert nicht länger als bei normalem Geschirr, allerdings sind die Transportwege weiter. Die Firma hat ihren Sitz in Berlin und dort wird auch der Kaffeesatz von Cafés abgeholt, getrocknet und vakuumverpackt. In einem Unternehmen in Baden-Württemberg wird dann die Stoffmischung hergestellt und damit in Köln die Tassen geformt und gebrannt. Die fertigen Tassen werden wiederrum nach Berlin geschickt. Dabei arbeitet Kaffeeform beim Versand, bei der Verpackung und auch beim Einsammeln des Kaffeesatzes mit einer Werkstatt für Behinderte zusammen.

Die Espresso- und Cappuccinotassen sind beliebt, sie können online erworben und europaweit auch in ausgewählten Geschäften gekauft werden. Die Upcycling-Idee zeigt, dass in alltäglichen Abfällen Potential schlummert. Gerade Kaffeesatz kann im Haushalt zum Düngen oder als Geruchsstopper verwendet werden. Natürlich hat die Vermeidung von Abfällen Priorität, aber bei Produkten auf die man nicht verzichten mag – wie Kaffee –  bietet das Upcycling eine Alternative.

Neben Kaffeeform gibt es übrigens auch ein australisches Startup namens Huskeecup, welches ebenso Kaffeetassen entwirft. Dieses hat sich allerdings auf die Abfälle der Kaffeeproduzenten konzentriert und entwirft Kaffeetassen aus den Hüllen der Kaffeebohnen. Momentan sind sie noch in der Crowdfunding-Phase, ihre Prototypen sind allerdings beeindruckend elegant und bestehen teilweise aus bis zu 80% aus Kaffeebohnenhüllen. Kaffeeform und Huskeecup widmen sich daneben auch dem Problem der Müllproduktion durch Coffee to-go Becher. Die Tassen von Huskeecup werden mit einem Universaldeckel zum einfachen Begleiter für unterwegs, während Kaffeeform noch in der Entwicklung eines Mehrwegbechers steckt.

Geschirr aus Kaffeeabfällen ist funktional, innovativ und nutzt bisher wenig verwendete Ressourcen. Welchen positiven Beitrag sie in unserer Konsum- und Abfallgesellschaft  leisten werden, wird sich noch zeigen. Stilvolles Kaffeetrinken ist jedenfalls schon jetzt mit ihnen möglich.

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