Ich glaube, ich könnte inzwischen Bücher damit füllen, was alles Irrglauben rund um das Gründen sind. Von einem Irrglauben, dem Gründer gern verfallen, möchte ich Euch gern berichten. Vor allem deswegen, weil der Gedanke grundsätzlich richtig ist, aber einfach zum falschen Zeitpunkt kommt und Euch das Leben später schwer macht.

Der Irrglaube ist: Alles was am Anfang zählt, sind wachsende Kundenzahlen. Ja, irgendwann ist das ein wichtiger Faktor, vor allem für Start Ups. Das ist auch eine der ersten Fragen, die Euch ein Investor stellt, wie hoch Eure Wachstumsrate ist. Aber bis Gründer dahin kommen, müssen sie schon allerhand geschafft haben, zum Beispiel ein Produkt gebaut haben, was ihre Kunden lieben. Nach dem Founder’s Playbook sind das insgesamt fünf Phasen, zwanzig Schritte! Das sind alles Schritte, die sicherstellen, dass Ihr ein Produkt baut, das Eure Kunden lieben werden – _die_ Voraussetzung für jedes Start Up. Im besten Fall erreichen Gründer das in sechs Monaten, zumindest bei dem berühmtesten Accelerator der Welt (Y-Combinator). Ich würde eher sagen, dass es mit Sicherheit ein Jahr brauchen wird – nur im IT-Bereich. Ein Investor interessiert sich auch erst dann für Euch, weil er erst investieren möchte, wenn er glaubt, dass Ihr erfolgreich sein werdet. Den Nachweis erbringt Ihr ihm, wenn Ihr zeigt, dass Eure Kunden Euer Produkt lieben und es noch mehr von diesen „Typen“ auf der Welt gibt und Ihr wisst, wie Ihr sie gewinnen könnt.

Daran macht ihr fest, das ihr noch kein Produkt habt, was Eure Kunden lieben:

  • Die Akquise von Neukunden ist sehr aufwendig.
  • Du musst überhaupt aktiv Akquise betreiben, um Neukunden zu gewinnen.
  • Selbst eine Verdopplung Eures Marketingbudgets sorgt nicht für eine Verdopplung von Neukunden.
  • Viele Kunden springen wieder ab.
  • Viele Kunden kommen nicht wieder.

Ein Produkt, was Eure Kunden lieben hingegen wird dafür sorgen:

  • Eure aktuellen Kunden akquirieren für Euch Eure Neukunden.
  • Eure Kunden sind Euch treu.
  • Eure Kunden kommen immer wieder.

Wir können auch verstehen, warum Gründer früh wachsen wollen. Sie müssen von dem was sie da tun, leben können. Alternative Einnahmequellen sind bei Gründern eher die Ausnahme. Daher ist der finanzielle Druck sehr hoch und sie wollen schnell wachsende Einnahmezahlen sehen, um entweder selbst davon leben zu können oder attraktiv für Investoren zu sein. Ja, aber … ein zu früher Fokus auf Wachstum, wenn Euer Produkt noch nicht „geil“, sondern nur „ok“ ist, beschert Euch kleine (und erkaufte) Wachstumsraten. Ab einem bestimmten Zeitpunkt sind Änderungen am Produkt teuer, aufwendig und nicht mehr so leicht wie am Anfang möglich.

Daher: Baut ZUERST ein Produkt, das Eure Kunden lieben und DANN wachst was das Zeug hält.

Dieser Artikel ist inspiriert von einem Artikel von Sam Altmann „Before you grow“ (Y-Combinator).

Bildquelle: Medienkompass.de