Teamarbeit ist das Schlagwort für den heutigen Arbeitsmarkt. Es wird nach Teamfähigkeit beim Bewerbungsgespräch gefragt und Teamwork in Projektgruppen erwartet. Auch bei den Startups ist der Trend zu finden. Der Deutsche Startup Monitor gibt an, dass etwa 76 % der deutschen Startups von Teams gegründet werden. Doch es gibt auch eine Kehrseite, viele dieser jungen Unternehmen scheitern schon innerhalb von fünf Jahren. Überraschend ist dabei, dass bei über 60 % von ihnen der Erfolg aufgrund teaminterner Probleme ausblieb. Diese Ursachen für das Scheitern wurden aber bislang nur wenig untersucht.

Das RKW Kompetenzzentrum erkannte allerdings die Problematik und befragte in einer Studie 100 Startups aus der Informations- und Kommunikationstechnologie aus Österreich, der Schweiz und Deutschland. Das Ergebnis ist eine Liste mit den größten Herausforderungen für Gründerteams. Diese wurden nach der Größe ihres Einflusses auf den Unternehmenserfolg gewichtet.

Die größten Stolpersteine liegen laut den Autoren in dem Bereich „Verantwortung und Zielsetzung“, danach kommt das „Ausgleichen von fehlenden Kompetenzen und Erfahrungen“, es folgen „Kommunikation und Koordination“ und zuletzt die „Entscheidungsfindung“. Am wenigsten Einfluss auf den Unternehmenserfolg hatten laut der Selbsteinschätzung der Gründerteams „persönliche Konflikte“ und die „Anteilsverteilung“ innerhalb des Startups.

1. Verantwortung verteilen
Aufgaben zu verteilen und damit Verantwortungsbereiche festzulegen ist laut der Studie die größte Herausforderung für Startup-Teams. Es gilt Missverständnisse und Überschneidungen zu vermeiden, welche sich stark auf den Unternehmenserfolg auswirken. Der Studie zufolge ist jungen Startups dieses Risiko meist wenig bewusst. Hier gilt es aufzuklären, da frühzeitig Verantwortung zu verteilen wichtig ist um Konflikte vorzubeugen.

2. Ziele im Blick behalten
Die befragten Startups haben sich zwar meist konkrete Ziele gesetzt, nur werden diese nicht regelmäßig angesprochen und reflektiert. Es gilt daher die Ziele nicht nur festzulegen, sondern diese auch im Blick zu haben und bereit zu sein bei Bedarf Konsequenzen zu ziehen. So sollten der Studie nach Selbstreflexion und Lernfähigkeit in Startups eine weitaus größere Rolle spielen als bisher.

3. Fehlende Kompetenzen ausgleichen
Im Idealfall setzt sich ein Startup aus Mitgliedern mit unterschiedlichen Kompetenzen zusammen. So werden Stärken und Schwächen innerhalb des Teams ausgeglichen. Mangelnde Erfahrung stellt dabei ein geringeres Problem da als fehlende Kompetenzen. So haben, laut den Autoren der Studie, homogene Teams mit ähnlichem fachlichen Wissen es insgesamt schwieriger, als heterogene Teams mit Mitgliedern aus verschiedenen Disziplinen. Daneben wurde auch das Gründen mit Personen aus dem privaten Umfeld auf lange Sicht als nachteilig beurteilt.

4. Kommunikation und Koordination verbessern
Diesen Herausforderungsbereich bewerteten insbesondere größere Startup-Teams mit mehr als drei Personen als problematisch. Denn je größer das Team ist, desto schwieriger wird eine reibungslose und offene Kommunikation. Diese ist aber unabdingbar um auch andere Herausforderungen zu bewältigen. Insbesondere für die Koordination gibt die Studie den Hinweis, dass alle Aufgaben an konkrete Personen verteilt werden sollten, anstatt die Zuständigkeiten etwa wöchentlich zu wechseln.

5. Entscheidungen treffen und durchsetzen
Die Entscheidungsfindung- und -durchsetzung wirkt sich laut den befragten Startups deutlich auf den Unternehmenserfolg aus. Dennoch setzen nur 7 % dieser Gründerteams „strukturierte Entscheidungsprozesse“ ein. Die Autoren der Studie schlussfolgern, dass es sich bei den befragten Startups meist um homogene Teams mit flexibler Rollenverteilung handelt. Diese würden aufgrund ihrer ähnlichen Kompetenzen leichter einen Konsens finden.

6. Persönliche Konflikte lösen
Persönliche Konflikte zählen laut den Startups der Studie nicht zu den großen Herausforderungen. Allerdings gilt auch hier wieder, dass diese Unstimmigkeiten weniger in homogenen (wie in der Studie vorhanden) als in heterogenen Teams auftreten. Die Autoren verweisen allerdings auf den positiven Effekt von „kognitiven Konflikten“, welchen den Unternehmenserfolg steigern und Potenzial für die Weiterentwicklung beinhalten können.

7. Anteile vergeben
Auch die Anteilsverteilung wird nur als kleine Herausforderung von den Startup-Teams gesehen. 85 % von ihnen sahen darin nur geringe oder sogar keine Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg. Daraus schließt die Studie, dass insbesondere die homogenen Teams in diesem Feld konfliktscheu sind und die Anteile eher gleichmäßig verteilen. Dabei werden allerdings die Vorteile einer ungleichen, dynamischen Verteilung beispielsweise je nach Leistungseinsatz übersehen.

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